Carel Fabritius

Die Torwache

Das Gemälde von Carel Fabritius ist voller Rätsel. Ein Wachmann döst im Sonnenlicht auf einer niedrigen Holzbank. Seine Hände ruhen auf seiner Waffe, Hemd und Jacke sind offen, ein Strumpf ist heruntergerutscht. Ein kleiner Hund beobachtet ihn. Ein schlafender Soldat erscheint auf den ersten Blick recht ungewöhnlich. Vielleicht bezieht sich Fabritius in seinem Gemälde auf das Ende des Dreißigjährigen Krieges sechs Jahre zuvor. Die Wache kann ruhen.

Nicht nur die Handlung, sondern auch der Ort des Geschehens erscheint ungewöhnlich. Die architektonischen Elemente fügen sich nicht zu einem stimmigen Raum zusammen: Die Basis der Säule ist so weit in die Szenerie hineingeschoben, dass das mit Moos bewachsene Kapitel nach den Gesetzen der Perspektive eigentlich unter dem Torbogen stehen müsste. Hinter dem vermutlichen Stadttor verläuft in unmittelbarer Nähe eine halbhohe Mauer, was die Bewachung eines Stadttors eigentlich unnötig macht. In der rechten oberen Bildecke befindet sich eine Türöffnung, in die zwar eine Treppe hineinführt, von der man sich aber auch nicht erklären kann, welchen Zweck sie erfüllen könnte.

Carel Fabritius, herausragender Maler und Schüler Rembrandts, starb mit nur 32 Jahren im „Delfter Donnersturm“, bei der es zur Explosion des Delfter Pulvermagazins 1654 kam. Nicht nur große Teile der Stadt wurden zerstört, sondern auch das Atelier Carel Fabritius’. Nur 14 Werke des Niederländers blieben erhalten. Die Torwache nimmt in diesem Reigen eine besondere Stellung, gemeinsam mit dem Distelfink im Mauritshuis in Den Haag ein – beide stammen aus dem Todesjahr des Künstlers.

Fabritius kann gleichrangig mit Rembrandt und Vermeer genannt werden und gilt als Mitbegründer der Delfter Schule. Werke dieser Schule sind gekennzeichnet durch den Einsatz von helleren, freundlichen Farben und den vielfältigen geometrischen Formen in der Architektur.