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Wenn der Bundespräsident zum Dinner lädt...

Wenn der Bundespräsident zum Dinner lädt...

Herr Friedrich Preßler arbeitet seit 2007 ehrenamtlich im Staatlichen Museum Schwerin. Er wurde vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zum Bürgerfest in den Park von Schloss Bellevue am 7. September 2018 eingeladen. Ein paar Wochen später habe ich mit ihm über diesen besonderen Tag und seine ehrenamtliche Tätigkeit im Museum gesprochen.

 

Herr Preßler, wie war das, als Sie die Einladung vom Bundespräsidenten bekommen haben?
Als ich die Einladung bekam, war ich erst einmal äußerst überrascht und habe mich natürlich mächtig gefreut. Das war oder ist zum einen eine Würdigung der eigenen Arbeit, aber auch Anerkennung der Tätigkeit hier im Museum.


Sie haben ja zugesagt, wie ging es dann weiter?
Nachdem man zugesagt hatte, kam daraufhin das Wichtigste: die Einlasskarten. Da steht dann der Name drauf und ohne die ist da niemand reingekommen.
Es bestand auch die Option eine Begleitung mitzubringen, das heißt von allen Leuten, die dort waren, ich schätze so 3.500, zählten ungefähr ein Drittel zu den eigentlich Eingeladenen. Sie konnten also mit „Kind und Kegel“ dahin kommen, wenn alle vorher angemeldet waren.


Das klingt familienfreundlich, wie kann man sich den Ablauf an dem Nachmittag/Abend nun vorstellen?
Begrüßt wurden wir im Ehrenhof des Schlosses Bellevue von Mitarbeitern der Protokollabteilung. Im ganzen Garten des Schlosses waren entlang der Wege Stände aufgebaut, an denen man Essen und Trinken konnte. Da ging es von Currywurst über deutsche Küche bis hin zu marokkanischen Speisen, man hatte die Qual der Wahl. Es wurde auch alles auf gutem Geschirr serviert, also keine Pappbecher oder so, und das hat zu der entsprechenden Atmosphäre beigetragen. Für Kinder waren auf dem weitläufigen Parkgelände Spielmöglichkeiten aufgebaut und es liefen Clowns herum, das fand ich gut.


Haben Sie Herrn Steinmeier auch persönlich kennengelernt?
Nein, das leider nicht. Aber er hat eine lockere Eröffnungsrede gehalten, die fand ich großartig. Er betonte unter anderem, dass wenn wir alle – damit waren die Ehrenamtlichen gemeint – nicht wären, die Gesellschaft nicht so aussehen würde, wie sie sich jetzt zeigt. Schließlich ist das Ehrenamt eine der Grundwerte unserer Gesellschaft. Für unsere Dienste hat er sich ausdrücklich  bedankt. Diese Würdigung der ehrenamtlichen Tätigkeit vermisse ich mitunter bei Politikern.
Am Abend sind Herr Steinmeier und seine Frau dann noch durch die Reihen geschlendert, da waren wir alle auf einer Augenhöhe mit ihm.


Was gab es sonst noch auf dem Fest zu sehen?
Am Nachmittag haben sich verschiedene Organisationen, wie zum Beispiel Ärzte ohne Grenzen oder Dolmetscher/Helfer für Migranten vorgestellt, die man sonst vielleicht gar nicht so wahrnimmt. Man konnte durch den Garten spazieren oder, wenn man wollte, das Schloss Bellevue von innen besichtigen, was meine Frau und ich auch nicht ausgelassen haben.
Wir haben uns auch viel mit anderen Leuten unterhalten, das war interessant. Man ist erstaunlich schnell ins Gespräch gekommen, wenn man da so an einem Stehtisch stand und mit seiner Begleitung plauschte. Zu Beginn einer Unterhaltung wurde eigentlich immer die Frage gestellt „Warum sind Sie hier?“. Und da merkte man schnell, was es doch so für tolle Macher gibt und welch großartige Leistungen in allen Bereichen des Ehrenamtes vollbracht werden.


Das hört sich nach einem rundum gelungen und bereichernden Tag an! Wie hat Herr Steinmeier das Fest am Abend ausklingen lassen?
Es gab zwei Bühnen, auf denen Musik gemacht wurde, also Klassik und Rock und sowas, ganz abwechslungsreich. Später am Abend trat auf der größeren Bühne die italienische Rockröhre Gianna Nannini auf, da standen die Leute fast auf ihren Tischen, das war klasse!


Jetzt wollen wir noch etwas über Sie und Ihre ehrenamtliche Arbeit im Staatlichen Museum erfahren. Was haben Sie gemacht, bevor Sie Ihr Ehrenamt im Museum aufgenommen haben?
Nach meinem Studium bin ich  1963 nach Schwerin gekommen und war im Bauwesen tätig. Ab Anfang 1991 habe ich im Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommern in der Abteilung Staatshochbau als Diplomingenieur gearbeitet.


Wie sind Sie dazu gekommen ehrenamtlich zu arbeiten?
Die damalige Direktorin, Frau Prof. Dr. Kornelia von Berswordt-Wallrabe, lud mich zum Kaffee ein. Ich kannte sie aus dem Finanzministerium („Kunst am Bau“) und da hat sie mich gefragt, ob ich nicht ehrenamtlich im Museum arbeiten möchte 2006 bin ich in den Ruhestand gegangen und seit April 2007 bin ich nun im Staatlichen Museum Schwerin ehrenamtlich tätig.


Was für Aufgaben bewerkstelligen Sie im Museum?
Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich, ich arbeite an Katalogen mit, betreibe Recherche im Stadt- und Landeshauptarchiv und bin Herrn PD Dr. Torsten  Fried im Münzkabinett bei vielen Angelegenheiten behilflich. Da geht es dann zum Beispiel um Inventarisierung, Bewertung und Zuordnung der Sammlungen. Wissenschaftliche Arbeit gehört auch dazu.


Was schätzen Sie besonders an Ihrer Arbeit?
Ich finde es schön, dass ich selbstständig arbeiten kann, in einem völlig anderen Bereich als zuvor. Ich bin ja ausgebildeter Techniker und in diesem Beruf hat man wenig Spielraum, wenn es darum geht dieses oder jenes zu betonen und subjektiv zu betrachten. Da geht es um klare Zeichnungen und Berechnungen und nach diesen wird dann gebaut. Jetzt kann ich mich mit vielen Sachzeugnissen der Geschichte beschäftigen.


Lena Engelen, Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern