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Wer war Werkman?

Hochzeitsmahl von Hendrik und Jansje Werkman-Cremer am 10.4.1909, Archief 3 Gebroeders en Cie, Amsterdam

Wer war Werkman?

Der Weg zum Künstler-Drucker

Ereignisreiche Jahre für Werkman: Kein Schulabschluss, eine eigene Druckerei, zwei Ehen, die Künstlergruppe De Ploeg und neue Kontakte

Nach dem frühen Tod des Vaters im Jahr 1891 zog die Mutter mit ihren beiden Kindern zunächst nach Assen, ein Jahr darauf nach Groningen. Damals war Hendrik Nicolaas Werkman gerade einmal 9 Jahre alt. Es gab weder ein größeres Erbe, noch staatliche Unterstützung wie Sozialhilfe oder ähnliches und das machte der ganzen Familie schwer zu schaffen. In Groningen besuchte Werkman ab 1896 die Höhere Bürgerschule (mit einem heutigen Gymnasium vergleichbar), die er 1900 ohne Abschlussexamen verließ und eine erste Anstellung bei einer Druckerei bekam. Er musste Geld verdienen. Ob diese Lehrstelle Zufall war oder Werkman diese bewusst gesucht hatte, wissen wir nicht. Rückblickend lässt sich jedoch sagen, dass es sich dabei um einen Glücksgriff handelte, denn seine Lehre brachte ihn mit dem Druckerhandwerk in Berührung.

Von 1903 bis 1907 arbeitete Werkman als Journalist für zwei Groninger Zeitungen und nach einer kurzen Zeit, in der er sogar als Betriebsleiter in einer Druckerei tätig war, machte er sich 1908 in Groningen mit einer eigenen Druckerei selbständig. Hut ab! Keinen Schulabschluss, drei Jahre Lehre und kaum Berufserfahrung sich selbständig machen, das bedurfte schon Mut – und dann heiratete  nur ein Jahr später Jansje Cremer.

Leider sollte das Glück der beiden nur von begrenzter Dauer sein. Bereits 1917 starb Jansje. Aber nicht nur deshalb bezeichnet dieses vorletzte Jahr des Ersten Weltkrieges einen Wendepunkt in Werkmans Leben. 1917 begann der Drucker Werkman mit seinen ersten künstlerischen Versuchen, zuerst noch ganz klassisch in der Radierung, dem Holzschnitt und der Lithografie. Den Hochdruck, die Technik, mit der er als Drucker tagtäglich umging, hatte er bei diesen frühen Versuchen noch nicht für seine künstlerischen Arbeiten entdeckt. Es scheint, dass diese Technik, in der er später so brillieren sollte, für ihn zu Anfang nur als das ‚Arbeitstier‘ erschien, mit dem er keine Kunst machen könne. Welch‘ ein Irrtum, wie sich später herausstellte – entscheidend ist jedoch, dass Werkman in dieser Zeit die Kunst für sich entdeckte.

Die sogenannten Goldenen Zwanziger waren auch für Werkman ereignisreiche Jahre. Schon 1918 ging er eine zweite Ehe ein. Dieses Mal hieß die Glückliche Pieternella J. M. Supheert. Im selben Jahr erlebte auch seine Druckerei die erste gewinnbringende Saison. Den Erfolg hatte er auch gebraucht, denn immerhin hatte Werkman zu diesem Zeitpunkt bereits 27 Angestellte.

Ebenfalls 1918 wurde in Groningen die Künstlervereinigung De Ploeg (dt.: Der Pflug) gegründet. Ziel der Gruppe war es zum einen, den Kontakt unter den Künstlern zu stärken und das örtliche Kunststudium anzuregen und zum anderen wollten sie – wie wohl jede Gruppe junger Künstler – alles neu machen. Deshalb der Name Der Pflug: Das Alte sollte aufgebrochen, das Unterste nach oben gewendet werden, damit Neues wachsen kann. 1920 wurde auch Werkman Mitglied dieser Künstlergruppe.

Während Werkman nun künstlerisch immer aktiver wurde, verschlechterte sich sein geschäftlicher Missstand. Vergessen wir nicht, er hatte die Schule abgebrochen und hatte neben der Lehre kaum eigene Berufserfahrung. Werkman wollte machen, wollte etwas schaffen, aber er scheint kein geduldiger Mann gewesen zu sein, der zuerst das nötige Rüstzeug erlernen wollte. Es zeigte sich, dass er kein guter Unternehmer war und mit der schwachen Konjunktur nicht umgehen konnte. Werkman ließ sich dadurch jedoch nicht entmutigen und setzte konsequent alles auf eine Karte. Das Versagen als Geschäftsmann war für ihn der Anstoß alles auf die Kunst zu setzen. Sodann entdeckte er auch das künstlerische Potential des Hochdrucks. Ausgehend von dem Material in seiner Werkstatt, also der Setzkästen und der Druckerpresse, begann er zu experimentieren.

Im September 1923 erschien die Publikation The Next Call. Die Zeitschrift brachte Werkman nicht nur erste Anerkennung als Künstler-Drucker, sondern auch internationale Kontakte. Unter anderem lernte er mit Michel Seuphor, den Wortführer der französischsprachigen Kunstgeschichte für die Kunst der Zwanziger Jahre kennen. 1929 unternimmt er mit Jan Wiegers, einem De Ploeg-Mitglied, eine Reise nach Köln und Paris, auf der er viele Anregungen zu neuen Techniken und der Verwendung neuer Formelemente erhält.

 

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