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Nach 1945

Hendrick Nicolaas Werkman, the next call, cover

Nach 1945

Die Ermordung Werkmans und die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges einsetzende politische Neuordnung bedeutete nicht, dass sein künstlerisches Schaffen in Vergessenheit geriet. Ganz im Gegenteil: Sein Werk erlebte in den Niederlanden und auch in Deutschland eine ungeahnte Popularität.

Dass Werkmans Kunst in den Niederlanden nach 1945 geehrt wurde, ist verständlich, schließlich wurde das Thema der Kollaboration in den 1950er und 1960er Jahren in den Niederlanden immer noch diskutiert. Da Werkman sich mit seiner Kunst auf die Seite der Widerständler gestellt hatte, gab es zwei Gründe seine Drucke nun in Ausstellungen zu präsentieren: die Qualität der künstlerischen Arbeit und sein politisches Engagement. So richtete noch im Herbst 1945 das Stedelijk Museum Amsterdam (eine der ersten Adressen in den Niederlanden, wenn es um moderne und zeitgenössische Kunst ging und geht) Werkman eine große Gedenkausstellung aus. Eine Ausstellung, die, wie aus den Worten des damaligen Direktors des Stedelijk, Willem Sandberg, hervorgeht, auf der Verquickung der beiden genannten Kriterien – künstlerische Qualität und politisches Engagement – fußte. Das künstlerische Erbe Werkmans sollte so über den Tod des Künstlers hinaus für die Gegenwart bewahrt werden, nach dem Motto: Die Besatzer nahmen uns den Mann – seine Arbeiten bleiben.

In Willem Sandberg, der ebenfalls gelernter Grafiker war, hatte der experimentierfreudige Werkman einen gewichtigen Fürsprecher seiner Kunst  gefunden. Ein Jahr später, 1946, wurde Werkman auch in seiner Heimatstadt Groningen mit einer großen Ausstellung geehrt.
Diese beiden Museen beherbergen noch heute weltweit die größten Bestände zu Hendrik Nicolaas Werkman. Allerdings ist die für die Kunst von Werkman so wichtige Zeitschrift The Next Call, deren Typografie Werkman Mitte der 1920er Jahre entwarf, heute komplett nur im Museum Belvedere Oranjewoud in Heerenveen zu finden.

Nicht nur in den Niederlanden erfuhr die Kunst Werkmans in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine rege Aufmerksamkeit und Anerkennung. In Deutschland waren es HAP Grieshaber und Josua Reichert, die von den Form- und Farb-Experimenten Werkmans beeindruckt waren. Besonders auf Initiative HAP Grieshabers sind mehrere Ausstellungen zu Werkman in Deutschland realisiert worden, in deren Folge von dem auf typografische Kunst spezialisiertem Klingspor-Museum in Offenbach ein größeres Konvolut von Werkmans Arbeiten erworben wurde.

 

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