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Produktive Kriegsjahre

Die Redaktion der Blauwe Schuit in Werkmans Druckerei im September 1941, v.l.n.r. Ate Zuithoff, August Henkels, Werkman und Adri Buning © Fotopersbureau Folkers, Foto Stedelijk Museum Amsterdam, Werkman Archief

Produktive Kriegsjahre

Gründung der Gruppe De Blauwe Schuit

Die Jahre 1930 und 1931 bezeichnen den einen weiteren Wendepunkt in Hendrik Nicolaas Werkmans Leben. 1930 ließ er sich von seiner zweiten Frau scheiden, 1931 starb seine Mutter und er fasste den Entschluss – wie viele expressionistische Künstler – in die Südsee auszuwandern, dass aber blieb nur eine Idee. Wahrscheinlich fehlte ihm für eine ‚echte‘ Reise dann doch schlicht das Geld. Seine Südsee fand Werkman in seiner Kunst; dem Zuidzee-eiland (dt.: Südseeinsel) von 1936 und der 1942 entstandenen Serie Het Vrouweneiland (dt.: Die Fraueninsel).

Nachdem deutsche Truppen am 10. Mai 1940 die Niederlande besetzten ließ Werkmans Schaffenskraft nach – zunächst. Das aber sollte sich im Herbst desselben Jahres, nach der Begegnung mit der Freundesgruppe Adri Buning, F.R.A. Henkels und A.J. Zuithoff, ändern. Die Gruppe um Buning suchte einen Drucker für die Produktion des Gedichtes Het jaar 1572 (dt.: Das Jahr 1572) von Martinus Nijhoff. Eine auf den ersten Blick recht harmlose Aktion, aber das Gedicht bezieht sich auf den niederländischen Freiheitskampf gegen die Spanier und das Jahr 1572 markierte mit der Einnahme der Städte Den Briel und Vlissingen durch die Niederländer unter Wilhelm von Oranien einen der wichtigen Wendepunkte des Aufstandes gegen die spanischen Besatzer. Ein Zusammenhang, der sich den Niederländern sofort erschloss, den deutschen Besatzern jedoch – aufgrund fehlender Kulturkenntnis – verborgen blieb.

Nach dem Druck dieses Gedichts bildeten die vier Beteiligten die Gruppe De Blauwe Schuit (dt.: Die blaue Schute - gemeint ist hier der Schiffstyp). Der Name De Blauwe Schuit stammt aus einer Textpassage von Erasmus von Rotterdam, in der er beschreibt, wie sich all diejenigen in eine blaue Schute zusammenfinden, die keinen Einlass in die mittelalterlichen Gilden bekommen. Wer aber kein Mitglied einer Gilde war, dem war es verboten, einem Handwerk oder einem anderen Beruf nachzugehen. Während der Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg gab De Blauwe Schuit vierzig Drucke in geringer Auflage heraus, wodurch dann letzten Endes die Kriegsjahre zur produktivsten Phase Werkmans als Drucker werden sollten. Rund die Hälfte seines Oeuvres entsteht in diesen Jahren.

 

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