Staatliches Museum Schwerin

Mit etwa 3000 europäischen und ostasiatischen Porzellanen verfügt das Museum über einen nicht nur quantitativ herausragenden Fundus. Dass ein Drittel davon der ersten europäischen Manufaktur in Meissen entstammt, allein etwa zur Hälfte aus dem ersten Jahrhundert ihres Bestehens, mag Wichtung und Qualität der Sammlung andeuten.

Die farbigen, glänzenden Porzellane gehörten im 18. Jahrhundert auch am Schweriner Hof zu den begehrten Kostbarkeiten. Vor allem mit zahlreichen Tieren und Statuetten aus der Meissener Manufaktur, seinerzeit moderne Schöpfungen von Kaendler, Reinicke oder Eberlein, umgab sich Herzog Christian Ludwig II. in seinen Kabinetten im Schweriner Schloss. Den auf diese Weise überkommenen zeitgenössischen Ausformungen mit den zeitnahen Bemalungen, etwa der Affenkanne, des Turmfalken oder des Erlegten Hirsches, sämtlich Entwürfe von Kaendler, konnten seit Gründung des Museums 1882 gleichrangige Werke wie Der Handkuss oder Windhunde hinzugefügt werden. Mit Erwerbungen von aktuellen Meissener Erzeugnissen in den 1920er Jahren und erneut seit den 1960er Jahren knüpfte die Sammlungspolitik an den historischen Fundus an.

Durch dynastische Verbindungen mit Russland im ausgehenden 18. und mit Preußen im 19. Jahrhundert gelangte eine Vielzahl bedeutender Porzellane aus den Blütezeiten so vorbildhaft wirkender Unternehmen wie der Kaiserlichen Manufaktur in St. Petersburg und der Königlichen in Berlin nach Schwerin. Zur Mitgift der russischen Großfürstin Helene Paulowna gehörte ein mehr als 1000 Teile umfassendes Tafelservice, von dem sich mit etwa 50 Stücken ein Bruchteil erhalten hat. Um ein Geschenk des preußischen Königspaares zu derselben Hochzeit 1799 handelte es sich bei dem aus vielen, subtil geformten Figuren bestehenden, dreiteiligen Berliner Tafelaufsatz aus Biskuitporzellan, der in Schloss Ludwigslust ausgestellt ist. Die Veduten- und Blumenmalerei, die besonders in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den brillanten Dekorsparten der an der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin zählen, sind mit Porzellanen für die aus Preußen stammende Erbgroßherzogin Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin und ihren Sohn, den späteren Großherzog Friedrich Franz. II., eindrucksvoll vertreten. Erzeugnisse aus Sèvres und vielen kleineren Manufakturen vervollständigen den Überblick über nahezu drei Jahrhunderte europäischen Porzellans. Unter den ostasiatischen Porzellanen ist auf mehrere Seladonschalen und zwei für den Schweriner Hof in den 1750er Jahren entstandene Wappenservice besonders hinzuweisen.

Ausgewählte Porzellane des 18. und frühen 19. Jahrhunderts finden Sie im Schloss Schwerin.

Information

Kontakt

Dr. Karin Annette Möller
T 0385 5958 200

k.moeller@museum-schwerin.de