Staatliches Museum Schwerin

Seit Jahrtausenden fasziniert Elfenbein die Menschen. Das Stoßzahnmaterial von Elefanten erfuhr mit der Renaissance erneute Wertschätzung. Drechsler schufen mit ihrer Kunst komplizierte, raffinierte und viel bestaunte Werke. Auch fürstliche Souveräne dilettierten an der Drechselbank zur fürstlichen Entspannung, der recréation. Vor dem Hintergrund eines mechanistischen Weltbildes, das Gott als den größten Drechsler pries, offenbaren drechselnde Fürsten darüber hinaus ihr eigenes Selbstverständnis.
Kunstwerke aus Elfenbein fanden Eingang in die bürgerlichen und fürstlichen Kunstkammern. Die hier versammelte Vielfalt an Objekten aus Natur, Wissenschaft, Ethnologie oder Kunst wurde als ein Abbild der Universalität der Welt verstanden. Auf Grund seiner sinnlichen Anmutung, des zarten Glanzes mit der feinen, belebenden Maserung wurde Elfenbein im Barock auch für figürliche Darstellungen beliebt.

Der Bestand an Elfenbeinarbeiten gehört zu den Glanzpunkten der Sammlung des Staatlichen Museums Schwerin. Der überwiegende Teil dieser etwa 300 Objekte stammt aus einer Blütezeit der Elfenbeinschnitzkunst Europas, die vom 16. bis 18. Jahrhundert währte und eng an die Herausbildung von fürstlichen wie auch bürgerlichen Kunstkammern geknüpft war.
Nicht allein ihr Umfang bestimmt die Namhaftigkeit der Schweriner Sammlung, die vor allem auf Erwerbungen zweier Mecklenburg-Schweriner Fürsten, Herzog Christian Ludwig II. und Großherzog Friedrich Franz I., aus der Mitte des 18. bzw. des frühen 19. Jahrhunderts fußt: Auch eine Reihe darin enthaltener, überaus qualitätvoller Stücke wie in Augsburg oder Hamburg gefasste Humpen, vielfigurige Pokalwandungen, fein geschnitzte Statuetten und Reliefs unterschiedlichster Provenienz prägen diesen Fundus. Signierte Arbeiten von herausragenden Künstlern wie David Heschler, Joachim Hennen, Paul Heermann, Mathias Kolb, Johannes Sporer, Simon Troger, Theophil Wilhelm Frese und Mitgliedern der für den Schweriner Hof tätigen Lücke-Familie belegen ihre hohe Wertigkeit. Die Vielfalt der Sammlung, die ebenso Kleinkunstwerke oder gedrechselte Gefäße und Reliefs, sowohl Porträts als auch szenische Darstellungen enthält, führt einen spezifischen Bereich fürstlicher Sammellust wie auch die hohe Wertschätzung des subtilen Materials Elfenbein in jener Zeit vor Augen.

2011 wurde in der Dauerausstellung der Galerie Alte & Neue Meister Schwerin ein Elfenbeinkabinett eingerichtet. Mit 70 Exponaten gibt die Ausstellung einen Überblick über die Vielfalt der Schweriner Elfenbeinsammlung. Ab 2016 sollen weitere Elfenbeinarbeiten in Schloss Ludwigslust präsentiert werden.

Bestandskatalog “Elfenbein – Kunstwerke des Barock”

Kontakt

Dr. Karin Annette Möller
T 0385 5958 200

k.moeller@museum-schwerin.de