Staatliches Museum Schwerin

Kunstliebhaber Christian Ludwig II.

Der kunstsinnige Christian Ludwig II. (1683–1756) knüpfte bei Reisen ins In- und Ausland erste Kontakte zu Kunsthändlern und unterhielt Briefwechsel mit zeitgenössischen Künstlern. Über seine Beauftragten kaufte er Gemälde und Graphiken holländischer Meister des 17. Jahrhunderts an. Ab 1735 residierte er im alten Schweriner Schloss und errichtete als Anbau ein eigenständiges Galeriegebäude in einem zweigeschossigen Fachwerkbau,

in dem die Kunstwerke Platz fanden.  In dem Verzeichnis von Johann Gottfried Groth von 1792 werden bereits 695 Gemälde aufgeführt, die sich auf 21 Zimmer und  Kabinette verteilten. Vorrangig ging es dem Herzog um die Vermehrung des fürstlichen Kunstbesitzes – vor allem seine ausgeprägte Vorliebe für die niederländische Malerei legte einen Grundstock zur heutigen Gemäldegalerie.

Der französische Tiermaler  Jean – Baptiste Oudry

Vermittelt durch seinen Sohn Friedrich (1717–1785) gingen rund 56 Zeichnungen des französischen Hofmalers Jean-Baptiste Oudry (1686–1755) in den Besitz des Schweriner Hofes über, so dass heute eine geschlossene Kollektion von dessen Werken vorgewiesen werden kann, wie in keinem anderen

Museum. Mit 34 Gemälden und etwa 40  Handzeichnungen besitzt Schwerin die in der Welt größte Sammlung des französischen Tiermalers. Neben dem Sammeln hervorragender Kunstschätze war den Herzögen und Großherzögen auch bis Ende des 19. Jahrhunderts die Ausbildung und Förderung talentierter Künstler und ihr Wirken am Hof ein wichtiges Anliegen.

Der erste Galeriedirektor

Großherzog Friedrich Franz I. (1756–1837) strukturierte die Fülle der Kunstschätze erstmalig in einer neuen Verwaltungsform und ernannte Friedrich Christoph Georg Lenthe (1774–1851) zum ersten Galeriedirektor. Dieser strebte die Errichtung einer öffentlich zugänglichen Galerie an, jedoch fehlten die finanziellen Mittel.
Unter Großherzog Paul Friedrich (1800–1842) stieg Schwerin

zur neuen Residenzstadt auf und fungierte als Zentrum des geistigen Lebens. Wegen des geplanten Schlossumbaus musste auch für die Kunstsammlung ein neuer Ort gefunden werden. Die großherzogliche Sammlung wurde innerhalb eines Jahres in 12 Zimmern der oberen Etage zweier verbundener Häuser in der Paulsstadt untergebracht und ab dem 24. Juni 1845 erstmals für die Öffentlichkeit an je drei Tagen in der Woche für eine Stunde zugänglich. Der nachfolgende Galeriedirektor Eduard Posch (1804–1878) forcierte wiederum eine verstärkte Ankaufspolitik.

Ein eigener Museumsbau

Die immer größer werdende Sammlung erforderte letztendlich einen eigenen Museumsbau. Am 14. Mai 1862 wurde „[…] beschlossen ein Museum, und zwar an der Stelle, wo früher ein Palaisbau am Alten Garten beabsichtigt war, erbauen zu lassen.“ Mit den Geldern

aus den Reparationszahlungen des gewonnenen Krieges 1870/71 gegen Frankreich standen Mittel zur Verfügung, um den Bau ausführen zu lassen. Architekt war Hermann Willebrand (1816-1899). Die Eröffnung des neuen und technisch bahnbrechenden Museums fand am 22. Oktober 1882 statt. Schon 1901 erfuhr das Haus mit dem theaterseitigen Flügel eine nennenswerte bauliche Erweiterung.

Architektur

In seiner Gliederung und den schmückenden Medaillons erinnert das Museum an Renaissancebauten, durch die vorgelagerten ionischen Säulen werden Assoziationen zu antiken Tempeln erweckt.
Erster Museumsdirektor wurde Dr. Friedrich Schlie (1839–1902), der 1882 mit seinem Katalog die erste wissenschaftliche Dokumentation der Schweriner Sammlung verfasste. Er entwarf auch den Giebelfries, der die Vermählung Amors mit Psyche darstellt. Auf Schlie folgte Dr. Ernst Steinmann (1866-1934), dann von 1911 bis 1939 Dr. Walter Josephi (1874–1945).
Der räumlichen Situation des neuen Baus nach zu urteilen, sollte es zu Beginn eher ein Privatmuseum bleiben, welches unter Großherzog Friedrich Franz II. (1823–1883) mehr wissenschaftlichen Zwecken als einem Ausstellungsbetrieb diente.

Von der Weimarer Republik bis zum Ende des  Zweiten Weltkriegs

Am 14. November 1918 dankte Großherzog Friedrich Franz IV. ab, was auch das Ende des höfischen Privatmuseums zur Folge hatte. Die Sammlung ging daraufhin in die Hände des Staates über und das Großherzogliche Museum wandelte sich zu einem Landesmuseum. Die reichen

kunsthandwerklichen Bestände und das Münzkabinett wurden in das Schweriner Schloss überführt und hier ein Schlossmuseum eingerichtet. Das Museum am Alten Garten beherbergte weiterhin die Gemälde, die graphischen Sammlungen sowie die „Mecklenburger Altertümer“.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Kunstwerke in Herrenhäuser, Tresorräume und die Kellerräume des Schweriner Schlosses ausgelagert, die bedeutendsten kamen in das Salzbergwerk Grasleben (bei Braunschweig). Gegen Ende des Krieges bis weit hinein in das Jahr 1945 dienten das Schloss als Lazarett und das Museum als Uniformfabrik und Unterkunft für Flüchtlinge.

Das Museum in der DDR

Beginnend mit der Wiedereröffnung des Museums 1945 wurde dieses personell grundlegend umstrukturiert. Programmatisch etablierte sich bis heute die kontinuierliche Durchführung von Sonderausstellungen. Allerdings kehrten namhafte Bestände aus ihren Auslagerungsorten nicht zurück.
In der DDR verfolgte man ein neues museales Prinzip, bei dem der Fokus auf die Zusammenhänge zwischen künstlerischen Schaffen und gesellschaftlicher

Entwicklung gelegt wurde. Als 1961 die im Krieg ausgelagerten Bestände, darunter Werke von Frans Hals und Carel Fabritius, aus dem zentralen Kunstgutlager Celle rückgeführt wurden, konnte sich das Schweriner Museum endgültig einen internationalen Rang sichern und seinen Platz unter den bedeutendsten Kunstmuseen der DDR einnehmen. Seit dem Herauslösen der historischen Bereiche in den 70er Jahren präsentiert sich das Museum am Alten Garten ausschließlich als Kunstsammlung. 1972 wurden im Schloss Güstrow und 1975 im Schloss Schwerin Außenstellen eingerichtet, in den 80er Jahren folgte Schloss Ludwigslust.

Das Museum heute

Die Sammlungen des Staatlichen Museums Schwerin umfassen heute weit mehr als 100.000 Kunstwerke: Gemälde, Arbeiten auf Papier, Plastiken aus Holz, Terrakotta, Stein, Metall und Papiermaché, Münzen und Medaillen, Waffen, kunsthandwerkliche Arbeiten aus Glas, Porzellan und Metall, Möbel

sowie moderne Objekte und Installationen.
Neben der Kernsammlung Alter Kunst einschließlich der Impressionisten präsentiert das Museum zunehmend zeitgenössische Kunst. Jährlich kommen mehr als 300.000 Besucher in die Sammlungen und Ausstellungen und lassen das  Museum zu einem lebendigen Ort werden, der für jeden Platz bietet und in dem die Generationen wahrhaft voneinander lernen können – in einem Umfeld, in dem die Kunstwerke mit der ihnen eigenen Atmosphäre zur Kommunikation, aber auch zu einem Blick in die eigene Seele einladen.