Malerei und Plastik

 

 

M i t t e l a l t e r l i c h e  K u n s t


Der Tempziner Altar

Seine Datierung (1411) bezieht sich auf die Bestellung zweier Priester zu einem von dem Wismarer Bürger Johannes Schelp gestifteten Altar der Antoniter-Präzeptorei Tempzin. Er bildete bis 1850 den Hauptaltar und wurde 1905 für die Großherzoglichen Sammlungen erworben.
Auf der Feiertagsseite zeigt er den Leidensweg Christi, auf den Außenseiten Szenen aus dem Leben Mariae und ihrer Eltern sowie auf den geöffneten Predellenflügeln die Kreuzlegende. Der Typ des durchweg gemalten Passionsaltars mit hervorgehobener Kreuzigung schließt sich der westfälischen Kunst an.
Entstanden in Wismar, steht der Tempziner Altar in der Nachfolge der Hamburger Bertram-Werkstatt. Er verschmilzt deren Formengut mit Einzelmotiven des Conrad von Soest unter Hinzuziehung von westlichen Miniaturen. Bei vielen Passionsszenen jedoch weicht die Ikonographie in eigenwilliger einprägsamer Weise von bekannten Formulierungen ab.
 

Der Neustädter Altar

Der 1435 zur Zeit des Werkmeisters Johann Stenbeken entstandene einst doppelflüglige Schnitzaltar stand bis 1716 im Chor der St. Jacobi-Kirche zu Lübeck. 1728 gelangte er als Geschenk in die Kirche zu Neustadt-Glewe, 1841 in die Großherzoglichen Sammlungen.
Es ist ein Mariae-Krönungsaltar, der auf der Feiertagsseite geschnitzte Figuren und auf den Flügelrückseiten sowie dem verlorenen zweiten Flügelpaar Malerei aufweist. Diese gehört zu den Hauptwerken norddeutscher Kunst des Weichen Stils und ist der Kunst des Conrad von Soest eng verwandt. Daneben zeigen sich Einflüsse der Malerei des Hamburger Dominikanermönchs Meister Francke. Bei seiner ersten Aufstellung im Großherzoglichen Museum vor über einhundert Jahren wurden die Maltafeln vom Altarschrein abgetrennt. Sie zeigen jeweils vier Szenen aus dem Marienleben und vier Szenen aus der Passion Christi.
 

Rostocker Bildschnitzkunst

In den dreißiger Jahren des 15. Jahrhunderts war in Rostock eine Schnitzwerkstatt tätig, deren Werke den Auftakt zu einer eigenständigen landestypischen Kunst bilden. Tiefgeschnittene Augen, vorstehende Wangenknochen und das Verschmelzen von Oberlippe und Bart sind ihre Kennzeichen. Die beeindruckenden Inkunabeln dieser noch lange tätigen Werkstatt sind drei Jünger einer Ölberggruppe aus dem Benediktinerinnenkloster Dobbertin und eine Gottvaterbüste. Geschlossene Form und jeglicher Verzicht auf virtuose Schnitzerei prägen auch die vier Standfiguren einer dreißig bis vierzig Jahre jüngeren überlebensgroßen Kreuztragungsgruppe, die den Begriff "Bildsäulen" verdienen.
 

 
 


Tempziner Altar

 

 

 

 


Neustädter Altar

 


 


Gottvaterbüste