Staatliches Museum Schwerin

1887

Am 27. Juli wird Henri Robert Marcel Duchamp in Blainville geboren. Sein Vater, Eugéne Duchamp, ist Notar. Die Mutter, Marie Lucie Caroline Nicolle, stammt aus einer Künstlerfamilie, ihr Vater, Emile Nicolle, war Maler und Graveur. In der Familie begeistert man sich für die Künste. Marcel und seine beiden Brüder Jacques Villon (Maler) und Raymond Duchamp-Villon (Bildhauer) wählen den Künstlerberuf. Außerdem hat Marcel noch drei jüngere Schwestern, Suzanne, die auch Malerin wird, Yvonne und Madeleine.

1902

Es entstehen erste Gemälde in der Umgebung von Blainville.

1904

Beendet die Schule und siedelt nach Paris über, wo er bei seinem Bruder Jacques wohnt. Hin und wieder besucht er die Académie Julian.

1905

Volontariat in einer Druckerei in Rouen. Anschließend absolviert er einen einjährigen Militärdienst.

1906

Duchamp ist wieder in Paris, wo er Karikaturen für Zeitungen zeichnet.

1908

Sein Wohnsitz wird Neuilly, erstmals stellt er im Salon d’Automne aus.

1910

Beteiligt er sich an Ausstellungen im Salon des Independants. Begegnet bei Zusammenkünften in Villons Atelier in Puteaux u.a. Albert Gleizes, Fernand Léger, Roger de la Fresnaye, Guillaume Apollinaire und Jean Metzinger. Sein Malstil zeigt Einflüsse von Cézanne, des Symbolismus, Kubismus und Futurismus. Beschäftigung mit der Chronofotografie. Duchamp lernt Francis Picabia kennen. Erstes Maschinenbild Kaffeemühle.

1912

Es entsteht der Akt, die Treppe herabsteigend, das Bild wird vom Salon des
Independants abgelehnt, jedoch in Barcelona gezeigt. Besuch des Theaterstücks Impressions d’Afrique von Raymond Roussel, das ihn stark beeindruckt. Reise nach München. Dort Studien zu Braut und Junggeselle. Über Wien, Prag, Dresden und Berlin reist er nach Paris zurück, wo er im Salon de la Section d’Or, von der Gruppe Puteaux organisiert, mitwirkt. Gemeinsam mit Picabia und Apollinaire reist er nach Etival, im Schweizer Jura. Duchamp beschließt, mit der Malerei aufzuhören und neue Ausdrucksformen für sich zu suchen. Er arbeitet in der Bibliothek von Sainte-Geneviéve und beschäftigt sich mit Fragen zur Perspektive.

1913

Teilnahme an der internationalen Ausstellung moderner Kunst (Armory Show) in New York. Ein Skandal um sein Werk Akt, die Treppe herabsteigend macht ihn in den USA berühmt. Erste Studien zum Großen Glas entstehen. Montiert das Roue de bicyclette.

1914

Kauft in einem Pariser Kaufhaus einen Flaschentrockner, den er in sein Atelier stellt. Die erste Schachtel mit reproduzierten Notizen entsteht.

1915

Reise nach New York. Wohnt bei Louise und Walter Arensberg, die seine wichtigsten Mäzene werden sollten. Beginnt mit den Arbeiten des Großen Glases und spricht erstmals von »Ready-made«. Lernt Man Ray kennen.

1916

Duchamp macht die Bekanntschaft von Beatrice Wood und Henri-Pierre Roché.

1917

Gründungsmitglied der Society of Independent Artists, übernimmt die Funktion eines der Direktoren. Zu einer Ausstellung reicht er Fontäne, ein Pissoirbecken, ein, das er mit »R. Mutt« signiert hat. Nachdem es abgelehnt wurde, tritt Duchamp zurück.
Veröffentlicht gemeinsam mit Beatrice Wood und Roché zwei Zeitschriften im dadaistischen Stil, The Blind Man (zwei Nummern) und Rongwrong (eine Nummer).

1918

Stellt für Katherine Dreier sein letztes Gemälde Tu m‘ fertig.

1919

Reise nach Buenos Aires. Beginnt sich mit dem Schachspiel zu beschäftigen. Kurzer Aufenthalt in Paris.

1920

Gründet in New York mit Katherine Dreier und Man Ray die Société Anonyme, das erste Museum für moderne Kunst in den USA. Er konstruiert sein erstes optisches Gerät, Rotierende Glasplatten. Er wählt das Pseudonym Rrose Selavy

1921

Die einzige Nummer von »New York Dada« entsteht.

1923

Stellt die Arbeiten am Großen Glas ein. Kehrt nach Europa zurück und lebt mit wenigen Unterbrechungen in Paris. Nimmt erstmals an Schachturnieren teil. Da er sich bis 1934 weitgehend dem professionellen Schachspiel widmet, entsteht der Eindruck, daß er sich von der Kunst zurückzieht.

1926

Beteiligung an der Internationalen Ausstellung für Moderne Kunst in New York u. a. mit Das Große Glas, das hier erstmals gezeigt wird. Während eines späteren Transportes zerbricht es.

1934

Herausgabe der Grünen Schachtel, in der sich eine Sammlung von Notizen, Zeichnungen und Fotos zum Großen Glas befindet.

1936

Hält sich in den USA auf, wo er das Große Glas repariert und in der Bibliothek von Katherine Dreier aufstellt.

1937

Erste Einzelausstellung in Chicago. Entwurf der Glastür Cradiva für die Galerie von André Breton in Paris.

1938

Aufbau der »Internationalen Ausstellung des Surrealismus« in Paris.

1940

Beendet die Schachtel im Koffer.

1942

Rückkehr nach New York, nimmt Quartier bei Peggy Guggenheim und Max
Ernst. Organisiert gemeinsam mit André Breton die Ausstellung »First Papers of Surrealism«

1943

Entwirft das Titelblatt für die Zeitschrift »VVV« Nr. 2-3. Das Große Glas wird bis 1946 im Museum of Modern Art in New York aufgestellt.

1945

Ausstellung »Duchamp, Duchamp-Villon, Villon« in New Haven. Entwurf für
das Titelblatt einer Nummer der Zeitschrift »View«, die ihm selbst gewidmet ist. Erster musealer Ankauf eines Werkes von Duchamp durch das Museum of Modern Art in New York.

1946

Die Arbeiten zu seinem Werk Etant donnés beginnen. Es wird in 20 Jahren ausgearbeitet und erst nach Duchamps Tod in der Öffentlichkeit bekannt.

1947

Beteiligung an einem Film von Hans Richter Dreams that Money can buy, die Musik stammt von John Cage.

1949

In San Francisco nimmt er an einer Diskussion zur modernen Kunst teil. In
Chicago besucht er Louise und Walter Arensberg, die in einer Ausstellung ihre Sammlung vorstellen, in der sich auch dreißig Werke Duchamps befinden.

1950

Gedruckt wird der Katalog der Société Anonyme im Verlag der Yale Universität, er enthält 33 Texte Duchamps, verfasst von 1943 bis 1949.

1953

Beteiligung an den Vorbereitungen der Ausstellung »Dada 1916-1923« in New York, 12 Werke von Duchamp werden gezeigt. In New York ist die Ausstellung »Marcel Duchamp – Francis Picabia« zu sehen.

1954

Ehe mit Alexina (Teeny) Sattler. Sein Hochzeitsgeschenk ist Coin de Chastete.

1955

Nimmt die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Seine Trauzeugen sind Alfred Barr (Direktor des Museum of Modern Art, New York), James Johnson Sweeny (Guggenheim Museum, New York) und James Thrall Soby (Museum der Yale University).

1959

Robert Lebels Buch Sur Marcel Duchamp, die erste wichtige Studie zu Duchamp, erscheint in Paris. Beteiligt sich an der »Internationalen Ausstellung des Surrealismus«, Organisation durch André Breton.

1960

Besucht Happenings in New York, wird zu einer Größe in der jüngeren Künstlergeneration, Rauschenberg, Morris, Arman, Johns interessieren sich für sein Werk. Das National Institute of Arts and Letters in New York wählt ihn zum Mitglied.

1961

Repliken seiner Werke entstehen, Ulf Linde baut das Große Glas nach. Ehrendoktorwürde der Wayne State University, Detroit.

1963

Retrospektive seines Werkes im Pasadena Art Museum, Titel der Ausstellung: »By or of Marcel Duchamp or Rrose Sélavy«.

1964

Repliken von 13 Ready-mades in einer Auflage von jeweils acht Stück durch Arturo Schwarz, Mailand.

1965

Für die Ausstellung der Werke Mary Sislers fertigt er die Mono Lisa, raseé, an. Titel der Ausstellung: »Notseen and/or Lessseen of/by Marcel Duchamp/Rrose Sélavy 1904-1964«.

1966

Duchamp stellt in der Tate Gallery London aus. Die zweite von Richard Hamilton gefertigte Replik des Großen Glases wird ausgestellt, insgesamt sind 240 Werke und Dokumente zu sehen. Er beendet Etant donnés.

1967

Nimmt am internationalen Schachturnier in Monte Carlo teil. Erste große
Ausstellung in Paris, Museé National d’Art Moderne. In New York ediert er die Weiße Schachtel.

1968

Nimmt teil an der Musikperformance Reunion, die von John Cage in Toronto veranstaltet wird. Besucht die Premiere von Walkaround, einem Ballett von Merce Cunningham in der Dekoration des Großen Glases, die ihrerseits von Jasper Johns konzipiert worden ist. Die Aufführung wird in Buffalo realisert. Arbeitet an dem Projekt Chemineé anaglyphe, das er in seinem Haus in Cadaques errichten will. Kehrt im Herbst nach Paris zurück. Er stirbt am 2. Oktober in Neuilly, seine Beisetzung findet in Rouen statt.
Auf dem Grabstein ist vermerkt: »D’ailleurs c’est toujours les autres qui meurent« (Am Ende sind es immer die anderen, die sterben).