„Ich war an Ideen interessiert – nicht bloß an visuellen Produkten.“
Marcel Duchamp, 1946
Das Staatliche Museum Schwerin besitzt mit über 90 Werken eine der bedeutendsten Sammlungen des französisch-amerikanischen Künstlers Marcel Duchamp in Europa. Das Duchamp-Forschungszentrum wurde 2009 mit dem Ziel gegründet, den Schweriner Sammlungskomplex zu Marcel Duchamp international zu vernetzen und neue interdisziplinäre Forschungsprojekte zu realisieren. Ein wichtiges Ziel ist es, den Forschungsaspekt im Museum neu auszurichten, zu intensivieren und Ausstellungspraxis mit akademischer Forschung zu verknüpfen. Junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen auf Master- und Doktorandenebene werden dazu angeregt, an Objekten der Sammlung zu forschen und ihre wissenschaftlichen Projekte direkt an der Sammlung zu entwickeln.
Das Duchamp-Forschungszentrum konzipiert Ausstellungen zum Werk von Marcel Duchamp sowie wissenschaftliche Symposien und gibt die Publikationsreihe Poiesis heraus. Weitere Aufgaben umfassen die internationale Vernetzung mit Duchamp-Sammlungen und Archiven, mit internationalen Wissenschaftlern sowie den Ausbau der Sammlung und den Aufbau einer wissenschaftlichen Bibliothek mit Archiv zum Thema.
Das zweite Duchamp-Forschungsstipendium wird an Katharina Neuburger vergeben
Die Kunstwissenschaftlerin Katharina Neuburger (*1982) stammt aus Göppingen und promoviert am Kunsthistorischen Institut zu Köln bei Dr. Ursula Frohne über „Die Moderne Erfahrung. Studie zu Ausstellungen Amerikanischer Malerei 1876–1931“.Sie erhält das von Brigitte Feldtmann und den Freunden des Staatlichen Museums Schwerin e.V. gestiftete Stipendium für ihr Forschungsprojekt mit dem Titel „Marcel Duchamp oder Exponere. 1913-1918“, das sie im Rahmen ihrer Promotion realisieren wird.
Exponere („herausstellen, darlegen“) bezieht sich einerseits auf die herausragende Stellung Marcel Duchamps innerhalb der amerikanischen Kunstbewegungen. Bereits bei der allgemein als Armory Show (1913) bekannten Übersichtsausstellung europäischer und amerikanischer Kunst sorgte der Künstler mit seinem eingereichten Werk Nu descendant un escalier n° 2 für großes Aufsehen. Andererseits verweist „Exponere“ auf Duchamps Rolle als „Künstler-Kurator“, der auf humorvolle und weitsichtige Art, die damals gängige amerikanische Ausstellungspraxis in Frage stellte.
Katharina Neuburger schloss 2008 ihr Studium der Kunstwissenschaften und Medientheorie, welches sie unter anderem 2007 an das kuratorische Programm des Centre for Curatorial Studies, Bard College, New York führte, an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe ab. Anschließende Recherchereisen durch Nordamerika lieferten ihr wertvolle Erkenntnisse zu ihrem Promotionsthema. Im Jahr 2011 verhalf die Fokussierung auf Ausstellungsgeschichte Katharina Neuburger zu einer Tätigkeit als Gastdozentin an der Tufs University in Boston, USA, wo sie für mehrere Monate ein eigenständig entwickeltes Seminar mit dem Titel „Curating Contemporary Art“ leitete.
Kurzexposé von Katharina Neuburger
